| ein Krieg, wie gegen Jugoslawien
steckt als destruktive Potenz im Gesamtsystem: das Kapital muß sich
mit Wucht neue Märkte suchen, die alten neu aufteilen und die Giganten
balgen sich dann um die Welthegemonie. Und so nebenbei dient der Krieg
"natürlich". auch dazu, um aus dem Schlamassel der Überproduktionskrise
herauszukommen. Vernichtet wird dabei auch "überflüssiges Menschenmaterial",
das zum Bombenfutter und Versuchskaninchen für die Rüstungsindustrie
gemacht wird. Dabei lassen sich nicht nur alte Waffen vernutzen, sondern
auch neue testen und Militärstrategien proben. |
Nach NATO-Bomben Giftwolken über Jugoslawien junge Welt Spezial 20.04.99
Montag, 19. April 1999, 18:40 Uhr
Behörden warnen vor Treffer auf Chemiefabrik
Bei den jüngsten Nato-Angriffen wurde in Novi Sad laut
Tanjug ein Regierungsgebäude getroffen. Opfer habe es in der zweitgrößten
Stadt Jugoslawiens nicht gegeben, der Schaden wurde jedoch als groß
bezeichnet. Aus anderen Städten wurden mehrere Raketentreffer gemeldet.
In Baric, wo ein Chemiewerk steht, gab es vier starke Explosionen. Das
Werk wurde mit Flutlicht hell beleuchtet; die Nato beschoß aber offenbar
andere Ziele. Die Behörden erklärten, bei einem Treffer des Werks
könnte es eine gigantische Umweltkatastrophe geben. Dort lagerten
180 Tonnen hochkorrosive Flußsäure, die eine Giftwolke bilden
und das Trinkwasser der Region Belgrad vergiften könnte.
Sonntag, 18. April 1999, 12:24 Uhr
Angriffe auf Raffinerien und Chemiefabrik in Serbien
Belgrad (dpa) - Die Nato hat in der Nacht wieder ein Dutzend
Ziele in Jugoslawien bombardiert. In Pancevo nordöstlich von Belgrad
sei eine Stickstoffabrik getroffen worden und nun herrsche Vergiftungsfefahr,
berichtete die Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug heute früh. Die
Bevölkerung rund um das Industriegebiet sei aufgefordert worden, alle
Fenster zu schließen. Für den Notfall sei auch eine Evakuierung
vorbereitet.
Grüne Partei in Jugoslawien an BRD-Außenminister Fischer
Wir melden uns aus Belgrad, dessen Stadtrand von der NATO
bombardiert wird, obwohl sich dort zahlreiche chemische Anlagen mit äußerst
gefährlichen Stoffen befinden, darüber hinaus Treibstoff- und
Chemielager sowie ein Atomkraftwerk. Allein die Bombardierungen Pancevos,
wo ein riesiger petrochemischer Komplex untergebracht ist, die Bombardierungen
Baricas, wo sich eine risikoreiche BOPAL-Technologie zur Herstellung chemischer
Verbindungen befindet, sowie die Bombardierungen von Vinca mit seinem Atomkraftwerk
und einem ungeheuer unsicheren Atommüll-Lager haben die reale Möglichkeit
einer völligen Vernichtung der gesamten Bevölkerung Belgrads
und seiner Umgebung eröffnet. Eine ähnliche Situation herrscht
auch in anderen Städten, wo Ziele ausgewählt wurden, die mit
Technologien verbunden sind, deren Zerstörung bereits jetzt eine ökologische
Katastrophe ungeheurer Ausmaße zur Folge haben wird.
Das flächendeckende NATO-Bombardement von Truppen, militärischen
Einrichtungen und schweren Waffen in ganz Serbien, aber auch und vor allem
im Kosovo wird mit Hilfe von verbotenen panzerbrechenden Geschossen durchgeführt,
die abgereichertes Uran enthalten, das zu einer radioaktiven Verseuchung
ganzer Landstriche und damit des dortigen Lebens, einschließlich
Flora und Fauna, führt. Das bedeutet eine fundamentale Bedrohung aller
in Jugoslawien lebenden Menschen und Nationen.
Ungeachtet der Tatsache, daß die NATO-Bombardierung bereits mehr
als eintausend Zivilisten, darunter auch serbische Flüchtlinge aus
der kroatischen Krajina, das Leben gekostet und mindestens noch einmal
soviel Verletzte gefordert hat, soll das Zentrum Belgrads, genauer: verschiedene
Regierungsgebäude, der Generalstab der jugoslawischen Armee und das
Innenministerium bombardiert werden. Was zurückgehalten wird, ist
die Information, daß sich all diese Gebäude buchstäblich
an den größten Krankenhauskomplex in Belgrad anlehnen: die Kinderklinik,
das psychiatrische Krankenhaus, die Frauenklinik, die onkologische Klinik,
zwei chirurgische Kliniken, das klinische Notfallzentrum, in dem sich jetzt
schon zahlreiche Opfer des NATO-Bombardements befinden etc. Die erweiterte
Liste der Ziele ist faktisch Teil einer umfangreichen und systematischen
Zerstörung unserer kulturellen und historischen Werte, beispielsweise
manifestiert in dem Historischen Museum Serbiens, in dem sich Schätze
aus den vergangenen vier Jahrhunderten verbinden und das unmittelbar neben
dem Generalstab gelegen ist. Und das Innenministeriums liegt in der direkten
Nachbarschaft des serbischen Flüchtlingskommissariats. ...
Umweltschäden durch Nato-Angriffe befürchtet
Angst vor dem giftigen Regen
In Nordgriechenland wachsen die Ängste vor möglichen
negativen Auswirkungen der Nato-Bombardements auf Umwelt und Volksgesundheit.
Neben dem Horrorszenario, daß eine verirrte Nato-Rakete den ohnehin
als riskant eingestuften bulgarischen Atommeiler Kosloduj treffen könnte,
besteht Sorge um die Sicherheit von zwei Versuchsreaktoren im Raum Belgrad
und die Befürchtung, daß toxische Nebenprodukte der Bombardements
auf Jugoslawien mit Wind und Regen in den Norden Griechenlands gelangen
könnten.
Alle drei Szenarien scheinen im Bereich des Möglichen zu liegen. Immerhin
hat die bulgarische Regierung, nachdem bereits zwei Marschflugkörper
"versehentlich" das Territorium ihres Landes getroffen haben, die Warnung
ausgesprochen, daß jedes Flugzeug, das sich Kosloduj auf weniger
als 30 Kilometer nähere, abgeschossen werde. Angesichts der Tatsache,
daß Bomben außer in Bulgarien auch in Albanien niedergegangen
sind und es infolgedessen um die vielgepriesene Treffsicherheit amerikanischer
"intelligenter" Waffen doch nicht so gut bestellt zu sein scheint, wie
gerne behauptet wird, besteht ernsthafte Sorge auch um zwei in Belgrad
befindliche Versuchsreaktoren. Davon gilt einer zwar als nicht sehr gefährlich,
ein Treffer auf den anderen Reaktor mit einer Leistung von 6,5 Megawatt
könnte jedoch zu einer Katastrophe führen. Auch wenn Folgen für
Griechenland nur bei sehr ungünstiger Wetterlage zu befürchten
sind, hat das griechische Atomforschungsinstitut "Dimokritos" ebenso wie
Partnerinstitutionen anderer Balkanstaaten eine dringende Bitte an die
Nato gerichtet, das Gebiet, auf dem sich die Reaktoren befinden, zu verschonen.
Umstritten sind auch die Auswirkungen von toxischen Gasen auf Nordgriechenland,
die bei der Explosion der auf Jugoslawien abgeworfenen Bomben freigesetzt
werden. Befürchtungen bestehen vor allem wegen der Ummantelung bestimmter
Geschosse mit Uran und wegen der Möglichkeit einer Zerstörung
von Chemieanlagen oder Raffinerien. Der Physik-Professor Christos Zerefos
von der Universität Thessaloniki befürchtet beispielsweise, daß
Luftmassen toxische Substanzen, die durch Temperaturen von über 1.500
Grad bei der Bombardierung einer Chemiefabrik oder Raffinerie entstehen,
nach Griechenland transportieren könnten. Unbestätigten Berichten
zufolge soll zwei Tage lang giftiger Regen auf Thessaloniki niedergegangen
sein. Noch dramatischer werden die Folgen von der Umweltorganisation Greenpeace
geschildert. Der Ausstoß von toxischen oder radioaktiven Stoffen,
die Abfälle von Kampffliegern oder die Zerstörung von Brennstofftanks
oder Kernkraftwanlagen würden nicht nur Jugoslawien, sondern auch
die Nachbarländer bedrohen. Wie "Dimokritos" kürzlich errechnete,
könnte die Zerstörung eines Kernreaktors in Griechenland mehr
als 12.000 Todesopfer fordern. Die Kosten für die Evakuierung der
Bevölkerung und die Vernichtung vergifteter Lebensmittel würde
sich auf 445 bis 890 Mrd. Dr. belaufen.
Nach Ansicht des auf Umweltfragen spezialisierten Chemikers Themis Kouimtzis
von der Aristoteles-Universität sollte die Gefahr aber nicht überdramatisiert
werden. 45%-50% aller Niederschläge im Raum Thessaloniki kämen
aus dem Golf von Genua und weitere 30% aus Libyen, so daß die Gefahr
toxischen Regens eher gering sei. Ähnlich äußerte sich
auch der Spezialist für atmosphärische Physik an der Athener
Sternwarte, Michalis Petrakis. Meteorologische Verhältnisse, die den
Transport größerer Giftmengen aus dem Kriegsgebiet nach Griechenland
ermöglichten, seien eher ungewöhnlich.
Donnerstag, 15. April 1999, 12:15 Uhr
Nato-Luftkrieg hinterläßt Wirtschaftswüste in Jugoslawien
Für viele gibt's Benzin nur auf dem Schwarzmarkt
Von AP-Korrespondent Veselin Toshkov
Belgrad (AP) Neben den sonstigen Schäden an Umwelt
und Infrastruktur hinterläßt der Luftkrieg der Nato gegen Jugoslawien
auch mehr und mehr eine wirtschaftliche Wüste. Die bereits durch jahrelange
kriegerische Verwicklungen in Kroatien und Bosnien sowie durch die von
den Vereinten Nationen verhängten Sanktionen schwer geschädigte
Wirtschaft erhält durch die Luftangriffe der Nato sozusagen den Rest.
Das könnte sich mittelfristig für den Ausgang des Machtkampfes
zwischen dem westlichen Bündnis und der Regierung von Präsident
Slobodan Milosevic als wichtiger erweisen als militärische Niederlagen
und Erfolge.
In den ersten drei Wochen der Luftangriffe wurden zwei Ölraffinerien,
mindestens zehn Treibstoffdepots, fünf große Fabriken - darunter
die einzige Automobilfabrik des Landes -, mindestens ein halbes Dutzend
Brücken und mehrere Flughäfen zerstört oder schwer beschädigt.
Da kommt einiges zusammen. Der Wirtschaftsexperte Bojan Dimitrievic beziffert
die bisherigen Schäden auf umgerechnet mindestens 27 Milliarden Mark
(14 Milliarden Euro). Der jugoslawische Botschafter in der Ukraine, Gojko
Dapcevic, sprach am Mittwoch sogar von 200 Milliarden Dollar (360 Milliarden
Mark/186 Milliarden Euro).
Milosevic rief angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten seine Landsleute
kürzlich dazu auf, die Schäden durch vermehrte und härtere
Arbeit wettzumachen. Doch wer soll wie arbeiten, wenn die Arbeitsplätze
kaputtgebombt sind. Die Zerstörung wichtiger Industrieanlagen hat
Tausende, wenn nicht sogar mehrere Zehntausend Menschen arbeitslos gemacht.
Dapcevic sagte in Kiew, eine halbe Million Menschen seien aufgrund der
Angriffe arbeitslos. Wenn man davon ausgehe, daß an vielen Jobs ganze
Familien hängen, so errechnet sich dem Diplomaten zufolge eine Zahl
von zwei Millionen Menschen, die direkt und indirekt von der Arbeitslosigkeit
betroffen und so praktisch ohne Einkommen sind: etwa ein Fünftel der
Bevölkerung.
Dazu kommt noch die «Vorkriegsarbeitslosigkeit».
Bereits vor den ersten Angriffen nannte die Statistik eine Arbeitslosenrate
von 30 Prozent. Beobachter gehen aber von eher 50 Prozent aus, so daß
in Jugoslawien nur noch eine «privilegierte» Minderheit in
Lohn und Brot ist. Und diese müssen sich mit einem durchschnittlichen
Monatslohn von rund 180 Mark (knapp 90 Euro) zufrieden geben.
Wirtschaftliche Erholung wird Jahre kosten
Seit Beginn der Angriffe fror die Regierung die Preise
ein und rationierte den Treibstoff. Seitdem stehen jedem nur 40 Liter Benzin
pro Monat zur Verfügung; Ärzte und andere für die Landesverteidigung
wichtige Leute bekommen etwas mehr. Der Treibstoffmangel macht sich besonders
in der Landwirtschaft negativ bemerkbar, obwohl Bauern bei der Zuteilung
von Diesel bevorzugt werden. Dennoch bleibt vielen nichts anderes übrig,
als sich auf dem Schwarzmarkt mit Treibstoff zu versorgen. Das ist nicht
nur teuer - ein Liter Diesel kostet dort umgerechnet 5,40 Mark (2,80 Euro)
-sondern auch gefährlich. So wurde ein Restaurantbesitzer aus Nis
wegen illegalen Treibstoffhandels kürzlich zu sieben Monaten Gefängnis
verurteilt.
Viele besonders der älteren Leute haben bei all der Misere die Hoffnung
aufgegeben, daß sich zu ihren Lebzeiten noch einmal bessere Zeiten
einstellen. Nach den masiven Zerstörungen, so die allgemeine Einschätzung,
wird es Jahre dauern, bis die jugoslawische Wirtschaft wieder auf die Beine
kommt.
Nach NATO-Bomben Giftwolken über Jugoslawien 20.04.99
KOSOVO: NATO-Einsatz radioaktiver Waffen? 19.04.99
DU - Atomkrieg niedriger Intensität 19.04.99
Was wird nach den Bombenangriffen 17.04.99
Belgrad ist nicht das Böse 16.04.99 |