Washington nimmt irakische
Bevölkerung als Geisel
Saddam Hussein hatte bereits eine
Woche nach seiner Invasion in Kuwait
am 2. Aug. 1990 einen Rückzugsvorschlag
gemacht. Doch Bush wollte nicht
Rückzug, er wollte Krieg.
Quelle: Karlheinz Deschner; Der Moloch
Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) veröffentlichte
im Herbst 1995 eine Studie, in der die US/UN-Sanktionen gegen den Irak
für den Tod von über 560.000 Kindern verantwortlich gemacht wurden.
Dieser Genozid reiht sich ein in eine Vielzahl von Kriegsverbrechen, für
die die US-amerikanische Administration verantwortlich zu machen ist. Washington
hält aus strategischen und wirtschaftspolitischen Gründen an
den Sanktionen fest und versucht so, - mit dem irakischen Volk als Geisel
- seine Weltmachtinteressen am Golf durchzusetzen.
Die wesentlichen Gründe für die Aufrechterhaltung der Blockade
gegen den Irak scheinen mir folgende zu sein:
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Mit den Sanktionen soll suggeriert werden, daß immer noch eine Gefahr
von diesem Land ausgehe. So werden weitere Bedrohungsängste in Saudi-Arabien
und Kuwait geschürt. Die Regimes beider Golfstaaten meinen nun, auf
den "Schutz" durch US-Truppen nicht verzichten zu können. Eine von
Washington - zur direkten militärischen und wirtschaftlichen Kontrolle
der Ölfelder - gewünschte Stationierung seiner Truppen ist so
längerfristig gewährleistet, und die Stationierungskosten werden
durch die betroffenen Länder getragen. In diesem Zusammenhang muß
auf den für Washington bedeutsamen Waffenhandel mit den erwähnten
Ländern hingewiesen werden, welcher zwar keine zusätzliche Sicherheit
für die Golfregion bringt, jedoch Milliarden von Petrodollars in den
maroden US-Haushalt fließen läßt.
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Eine Aufhebung der Wirtschaftssanktionen würde zu massiven Ölverkäufen
des Irak führen. Rapide Preiseinbrüche auf den internationalen
Ölmärkten wären die Folge. Dies kann weder im Interesse
von Saudi-Arabien noch von Kuwait liegen. Beide Länder sind aufgrund
hoher Stationierungskosten und kostspieliger Waffenkäufe auf
einen
stabilen Ölpreis angewiesen. Auch den Amerikanern käme eine solche
Entwicklung ungelegen. Saudi-Arabien und Kuwait könnten zahlungsunfähig
werden oder gezwungen sein, ihre Ausgaben drastisch einzuschränken,
wovon in erster Linie der Handel mit den USA betroffen wäre. Ein weiterer
Punkt dürfte sein, daß ein fallender Ölpreis den Dollarkurs
negativ beeinflussen könnte.
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Die zur Zeit andauernden sogenannten Friedensverhandlungen zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn dürften einen weiteren Grund für
die Aufrechterhaltung des Embargos liefern. Hier sitzen sich zwei ungleiche
Parteien gegenüber: Militärisch schwache und untereinander zerstrittene
arabische Länder sehen sich mit einer Weltmacht und dem mit atomaren,
biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen ausgestatteten Israel
konfrontiert. Von den Vereinigten Staaten wird eine Ordnung in dieser Region
angestrebt, die den langfristigen Interessen ihres Schützlings Israel
dient und den eigenen Einfluß vergrößert. Ließe
man ein Wiedererstarken des Irak und eine Rückkehr des Landes in die
arabische Gemeinschaft zu, so wäre ein einheitliches Vorgehen des
gespaltenen arabischen Lagers und ein Boykott der nahöstlichen "Friedensverhandlungen"
nicht auszuschließen.
Wir sehen an diesen Beispielen, daß der Irak kaum einen Einfluß
auf die Beendigung des Embargos hat. Hier spielen Interessen eine Rolle,
die außerhalb seiner Einflußmöglichkeiten liegen. Es ist
also offenbar unerheblich, ob der Irak die von den USA durchgepeitschten
UN-Resolutionen erfüllt oder nicht. Diese dienen wohl eher der Verschleierung
der wahren Hintergründe des Golfkrieges und der Sanktionen. Als propagandistische
Rechtfertigung für den fortgesetzten Genozid an der irakischen Bevölkerung
lassen sie sich jedenfalls vortrefflich einsetzen. Leider haben es Washingtons
Hofberichterstatter in den westlichen Medien bisher unterlassen, nach der
Vereinbarkeit dieser Beschlüsse mit dem internationalen Recht zu fragen.
Es erscheint mir auch dringend notwendig, über die Legitimität
von Resolutionen eines demokratisch nicht legitimierten Sicherheitsrates
öffentlich zu diskutieren.
Durch unsere regelmäßigen Besuche im Irak wurden wir nicht nur
Zeugen der sich permanent verschlechternden Lebensbedingungen für
den größten Teil der Bevölkerung, sondern auch der immensen
Zerstörungen, die durch einen - im Verhältnis zu seinen propagierten
Zielsetzungen - disproportionalen Krieg angerichtet wurden. Um Kuwait zu
befreien, hätte es nicht der Zerstörung von Wohn- und Krankenhäusern,
Schulen, Kindergärten sowie der zivilen Infrastruktur - wie Wasser-
und Stromversorgung - bedurft. Es sei denn, dieser Krieg diente anderen
als den öffentlich geäußerten Zwecken. Wer Reparationszahlungen
für die vom Irak in Kuwait angerichteten Schäden will, muß
ebenso eine Wiedergutmachung für das irakische Volk fordern, dem durch
alliierten Bombenterror und Blockade unermeßliches Leid zugefügt
wurde.
Man sollte im Sternenbanner die weißen Streifen
der Flagge schwarz färben und die Sterne durch
Totenschädel ersetzen!
Mark Twain
http://www.germany.net/teilnehmer/101,88843/index.htm |