Die UNO im Würgegriff des US-Imperialismus
"Unsere politische
Führung hat
im Golfkrieg Kriegsverbrechen
begangen, die ohne Zweifel
mit den Kriegsverbrechen der
Nazis im Zweiten Weltkrieg
vergleichbar sind."
Kurt Vonnegut
(US-Schriftsteller)
Wer einst die Hoffnung hegte, daß es der UNO gelingen könnte,
die Grundlagen für eine multikulurelle Weltordnung mit gleichberechtigten
Staaten zu schaffen, muß spätestens seit dem zweiten Golfkrieg
und der Intervention in Somalia zu der Einsicht gelangen, daß dies
nicht von einer Organisation geleistet werden kann, die dem Weltherrschaftsanspruch
der USA machtlos ausgeliefert ist. Dies manifestiert sich nicht nur in
der finanziellen und räumlichen Abhängigkeit von den Vereinigten
Staaten, sondern auch in den fehlenden Möglichkeiten der UNO, die
USA zu zwingen, die Charta der Vereinten Nationen zu respektieren und das
Völkerrecht einzuhalten.
Wenn es weder Organisationen noch Staaten gibt, die dem Führungsanspruch
der USA etwas entgegensetzen, führt dies zwangsläufig zu einer
US-Weltdiktatur, deren katastrophalen Folgen sich kaum jemand entziehen
kann. Daß wir uns bereits auf diesem Wege befinden, hat der zweite
Golfkrieg und in diesem Zusammenhang der Umgang der USA mit den Vereinten
Nationen gezeigt. In einem uns vorliegenden Brief schrieb Henry B. Gonzales,
Mitglied des amerikanischen Kongresses, zur Rolle der UNO: "Der Präsident
bestach, bedrohte und schüchterte Mitglieder des UN-Sicherheitsrates
ein, um die kriegerischen Aktionen gegen den Irak zu unterstützen.
Die USA bezahlten schließlich nach der angestrebten Abstimmung 187
Mill. Dollar ihrer Schulden an die Vereinten Nationen. (...) Sicher sind
die Aktionen des Präsidenten eine Verletzung der Verfassung der USA,
der UN-Charta und anderer nationaler und internationaler Gesetze gewesen.
Unsere Soldaten im Mittleren Osten sind überwiegend arme Weiße,
Schwarze und mexikanische US-Bürger. Sie mögen Freiwillige sein,
aber ihre Freiwilligkeit basiert auf dem Zwang eines Systems, welches lebensfähige
ökonomische Möglichkeiten für diese Klasse der Bürger
verleugnet."
Der Golfkrieg war nie ein Krieg der UNO, auch wenn einschlägige Medien
versuchen, dies der Öffentlichkeit zu suggerieren. Hierzu erklärte
der ehemalige UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar: "Dies ist kein
Krieg der Vereinten Nationen. Die Vereinten Nationen kontrollieren die
Operationen nicht, es gibt keine UNO-Flagge, keine Blauhelme oder irgendeine
Mitwirkung des Militärausschusses". Dieser Krieg war eine von den
Vereinigten Staaten provozierte und langfristig geplante Inszenierung,
die in einem Massenmord an der irakischen Bevölkerung endete und die
UNO schwächte.
Nach Meinung des ehemaligen UNO-Diplomaten C. C. O`Brien werden die Vereinten
Nationen seit dem Wegfall des Sowjet-Vetos zum "erwählten Instrument
einer globalen Pax Americana". Präsident Clintons Vorstellungen von
Amerikas "einzigartiger Führungsrolle", die "durch multilaterale Werkzeuge
wie die UNO" weiter ausgebaut werden soll, bestätigen dies (vgl. DER
SPIEGEL 29/1993, S. 19). Der Golfkrieg war der Auftakt zu dieser neuen
Ära.
Bei einer bundesweiten Anhörung zum Golfkrieg am 30. November 1991
in Stuttgart stellte auch der norwegische Friedensforscher Johan Galtung
fest, daß die USA mit ihren Verbündeten einen solchen barbarischen
Krieg geführt hätten, um die "pax americana" auf Weltebene durchzusetzen.
Galtung wirft den USA einen starken Hang zu Sendungsbewußtsein und
Selbstgerechtigkeit vor. Seit 1804 hätten die USA mindestens 200mal
militärisch interveniert. Wie Galtung weiter ausführte, hätten
Demokratien bisher mehr Kriege geführt als Nicht-Demokratien. Demokratien
seien nicht automatisch friedensfähig, da sich in ihnen oft der Überschuß
an Gewaltpotential nach außen wende und die Kriege den gewählten
Politikern zur Wiederwahl verhelfen könnten. Die meisten Kriege in
den letzten Jahrzehnten seien von den USA, Großbritannien, Frankreich
und Israel geführt worden.
Obskure Anschuldigungen amerikanischer Geheimdienste, die sich immer wieder
selbst außerhalb internationalen Rechts stellen (siehe hierzu u.
a. K. Nair / M. Opperskalski, CIA: Club der Mörder), sollten den Angriff
der USA auf den Irak vor einem Jahr, am 26. Juni 1993, rechtfertigen. Ausgerechnet
die Vereinigten Staaten beriefen sich hier auf den Artikel 51 der UN-Charta,
der jedem Mitgliedsstaat ein Recht auf Selbstverteidigung bei einem "bewaffneten
Angriff" einräumt - ein Recht, das die USA dem Irak spätestens
seit August 1990 nicht mehr zugestanden haben.
In Bonn erklärte hierzu der Regierungssprecher, für Kanzler Kohl
sei die US-Aktion eine klare Notwendigkeit gewesen; Außenminister
Kinkel sprach von einer berechtigten Reaktion auf den verabscheuungswürdigen
Versuch eines Terroraktes. Inoffiziell hieß es jedoch, Kinkel halte
den US-Angriff für unvereinbar mit völkerrechtlichen Grundsätzen,
habe es politisch aber für unklug gehalten, sich in dieser Frage von
den USA zu distanzieren (vgl. Archiv der Gegenwart vom 27. Juni 1993, S.
37992).
Die Hofberichterstatter in den Massenmedien gaben, wie nicht anders zu
erwarten, die amerikanische Version von einem angeblich vom Irak geplanten
Attentat auf Expräsident Bush zum besten und begrüßten
den mit völkerrechtlichen Grundsätzen nicht zu vereinbarenden
Terrorakt gegen den Irak.
Nicht nur das Beispiel des Golfkrieges macht deutlich, wie die Medien beeinflußt
und manipuliert werden. Die amerikanischen und britischen Nachrichtenagenturen
UPI, AP und Reuter beherrschen den Nachrichtenmarkt und können so
die Weltmeinung manipulieren. Zwei Drittel der täglich anfallenden
Weltnachrichten kommen aus New York, zwei Drittel aller KorrespondentInnen
der internationalen Nachrichtenagenturen sind in den Vereinigten Staaten
oder Europa angesiedelt.
Prof. Walter Fabian, der frühere Chefredakteur der "Gewerkschaftlichen
Monatshefte", bemerkte bereits 1972 in einer Rundfunksendung: "Die Nachrichtenagenturen
der USA und der BRD sind so eng miteinander verflochten wie die Politiker
der beiden Staaten oder um es anders auszudrücken: Fast alle Nachrichten
über das Weltgeschehen erhalten wir aus Quellen, die den USA freundlich
gesonnen oder von ihnen abhängig sind."
Angesichts all dieser Tatsachen sehen wir uns mit einer Weltmacht konfrontiert,
die skrupellos ihre imperialen Interessen durchzusetzen weiß, militärisch
nicht zu besiegen ist und über ein Nachrichtenmonopol verfügt,
mit dem sie all ihre Handlungen rechtfertigen kann.
Diese Weltordnung aufrechtzuerhalten liegt auch im Interesse der europäischen
Staaten, solange es möglich ist, durch eine gemeinsam mit den Vereinigten
Staaten praktizierte Ausbeutung der "Dritten Welt" Gewinne zu erzielen.
Da man aber kräftig dabei ist, die Kuh zu schlachten, die man melken
will, ist es nur noch eine Frage der Zeit, wie lange der Kuchen groß
genug bleibt, um noch etwas aufzuteilen. Der Zeitpunkt ist absehbar, wo
es zu einem Verteilungskampf zwischen Europäern und Amerikanern kommen
wird. Dann darf in den USA auch wieder über die Vernichtung Europas
nachgedacht werden.
Die Vereinten Nationen sind für die USA nur als Instrument zu ihrer
weltweiten Machterhaltung von Bedeutung. Angesichts dieser Tatsache stellt
sich die Frage nach Abschaffung der UNO. Wer die UNO reformieren will,
muß auch sagen können, wie er die USA dazu bewegen will, auf
ihr Gewaltmonopol zugunsten einer übergeordneten Institution zu verzichten.
Ansonsten bleibt die UNO, was sie ist: eine im Interesse von wenigen Industriestaaten
agierende Kolonialbehörde.
http://www.germany.net/teilnehmer/101,88843/iraku-d.htm |