Eigenartigerweise taucht die UCK seit Beginn der NATO-Bombardierungen als kriegführende Partei im Kosovo so gut wie nicht mehr auf. Es wird der Eindruck erweckt, als müsse sich eine komplett unschuldige und harmlose albanische Zivilbevölkerung mit den bloßen Fingernägeln gegen eine bis an die Zähne hochgerüstete und zu allem bereite serbische Besatzungsmacht verteidigen, vor allem weil sie nie Unterstützung von außen bekommen habe. Das darf bezweifelt werden. Noch am 18.3.1999 erschien eine Ausgabe des stern, in der UCK-Kämpfer beim Feuern mit Maschinengewehren, mit panzerbrechenden Waffen, als Scharfschützen mit Präszisionsgewehren u.ä. zu sehen sind. Die Legende zu dem Bild mit dem Maschinengewehrschützen liest sich wie folgt: "Ein UCK-Kämpfer feuert mit seinem MG auf eine serbische Stellung. Seit dem Herbst haben die Rebellen ihr Arsenal systematisch aufgestockt. Über Albanien schmuggeln sie moderne Waffen in ihre Heimat." (S. 40) Einen Monat später würde die Veröffentlichung solcher Bilder wohl schon als serbische Kriegspropaganda gebrandmarkt. Woher die UCK das Geld für ihre Waffen hat, untersucht der folgende Artikel. Er enthält im wesentlichen die gleichen Darstellungen wie "Kosovo >Freedom Fighters< financed by organised crime" von Michel Chossudovsky, nimmt aber auf die deutsche Beteiligung an der Aufrüstung der UCK  stärker Bezug.

*Drogen und Deutschmark*

*Wie die albanische Mafia mit deutscher Hilfe zur UCK wurde*


"Die albanische Mafia und die sogenannte Befreiungsarmee Kosovo haben keine Beruehrungspunkte - sie sind ein und dasselbe, sie sind ueber die Familien miteinander verbunden, so dass es unmoeglich ist, sie voneinander abzugrenzen", meint Marko Nicovic, ehemaliger Leiter der Drogenabteilung im Belgrader Innenministerium.

Der Mann weiss, wovon er spricht - er war an zahlreichen Razzien gegen internationale Heroinhaendler im Kosovo beteiligt -, und trotzdem mag seine Auskunft als parteiisch gelten. Serbische Luegen-Propaganda, um die UCK schlechtzureden, jetzt, wo sie endlich ueber ihre Beteiligung an der Rambouillet-Konferenz international Anerkennung erfahren hat - so koennten jene, die ihr Herz fuer die leidenden Kosovaren entdeckt haben, einwenden. Nur gut, dass die Einschaetzung von Nicovic auch von vielen westlichen Polizeiexperten und Drogenfahndern geteilt wird. So wurden nach Analysen der norwegischen und schwedischen Kripo vom Sommer 1998 in den letzten zwei Jahren achtzig Prozent des Heroins, das in die skandinavischen Staaten gelangte, von Kosovo-Albanern eingeschmuggelt. "Wir wissen sicher, dass dieses Geld fuer den sogenannten Befreiungskampf verwendet wird", sagte Walter Kege, Chef der Drogenfahndung der Koeniglichen Schwedischen Polizei. Nach Auskunft von Pierre Duc, dem Leiter des Rauschgiftdezernats in Lausanne, werden auch in der Schweiz neunzig Prozent des Handels mit harten Drogen mittlerweile von Albanern kontrolliert. "Wir haben bisher noch keinen direkten Beweis, aber unsere Erfahrung sagt uns, dass die Kanaele fuer den Handel mit harten Drogen auch fuer Waffen benutzt werden", sagte Duc dem "Focus".

In Deutschland wurden 1996 ungefaehr achthundert Dealer albanischer Herkunft wegen Heroinhandel festgenommen - damit lagen sie auf Platz zwei hinter ihren tuerkischen Kollegen. "Fuer mich liegt es auf der Hand, dass die mit den Drogengewinnen Waffenkaeufe finanzieren", urteilt Ferdinand Schmid, Dezernatsleiter Rauschgift im LKA Bayern. In Italien liess eine Spezialeinheit der Carabinieri Mitte Oktober 1998 einen Drogenring auffliegen, an dessen Spitze Gashi Agim aus Pristina stand. Ein Fahnder gegenueber dem "Corriere della Sera": "Vor ein paar Jahren war der Mailaender Drogenmarkt noch von Tuerken beherrscht ... Dann, 1996, haben ihn die Albaner uebernommen ...

Einige von ihnen sind Aktivisten in der bewaffneten Kosovo-Befreiungsbewegung ... Und genau dorthin fliesst zumindest ein Teil des Geldmeeres, das die albanischen Drogenhaendler erwirtschaftet haben ... Im Fruehjahr sind eine Reihe albanischer Dealer sogar so weit gegangen, eine Demonstration fuer die Unabhaengigkeit des Kosovo zu organisieren. Und etliche Leute, die wegen ganz gewoehnlicher Verbrechen gesucht werden, marschierten zur US-Botschaft in Rom, schwenkten ihre Fahnen und verteilten Flugblaetter", fasst der "Corriere" zusammen. Die linke Tageszeitung "Il Manifesto" berichtet, Agim sei in flagranti beim Kauf von zweihundert MGs mit Nachtsichtgeraeten erwischt worden. Eine zweite Schluesselperson, der Aegypter Assan A., verfuege ueber Verbindungen zu einigen Ministern in Kairo und zu islamischen Terroristen in Aegypten. Ein Bericht der Drug Enforcement Administration (DEA) des US-Justizministeriums resuemierte 1996: "Auf der Balkanroute waren ethnische Albaner aus der serbischen Provinz Kosovo nach den tuerkischer Gruppen die zweitwichtigsten Heroinschmuggler ... Kosovo-Dealer wurden bekannt wegen ihrer Gewalttaetigkeit und ihrer Verwicklung in den internationalen Waffenhandel."
 
Das Berisha-lmperium

Einer der wichtigsten Drahtzieher der Kosovo-Connection ist der fruehere albanische Praesident Sali Berisha - er verkoerpert die Symbiose aus UCK und Mafia. Sein Verteidigungsminister Safet Zhulali hat sich 1997 nach Italien abgesetzt und ihn beschuldigt, er habe die Destabilisierung des Kosovo "betrieben", um das Ausland von der Situation in Albanien abzulenken. Chris Hedges, der Balkanreporter der "New York Times", berichtet in der Ausgabe vom 10. Juni 1998 aus Vucidol in Nordalbanien: "Der Familiensitz des frueheren albanischen Praesidenten Sali Berisha, der letztes Jahr zuruecktrat, ist zur Basis der UCK geworden ... Waffenhandel, finanziert von ethnischen Albanern aus Deutschland und der Schweiz, hat die Position von Berishas Unterstuetzern gestaerkt ... Mr. Berisha betrachtet die Kaempfe im Kosovo als heiligen Krieg ... Fuer ihn umfasst die "Albanische Nation" nicht nur Albanien, sondern auch den Kosovo und Westmazedonien, wo die ethnischen Albaner die Mehrheit stellen ... Zur selben Zeit transportiert man Waffen ungehindert auf Pritschenwagen hin und her. Die Polizisten und oertlichen Beamten sind entweder korrupt oder hilflos."

Wie die UCK der militaerische Arm der Mafia ist, so sind zwielichtige albanische Banken und Fonds, die sogenannten Pyramiden-Gesellschaften, ihre oekonomische Basis - zumindest waren sie es bis zu ihrem spektakulaeren Crash Ende 1996. »Die Pyramiden-Gangster finanzierten den Wahlkampf der Demokratischen Partei Sali Berishas vor den Parlamentswahlen im Juni 1996. Zusaetzlich transferierten sie die Investitionen der Parteioberen in Laender, die als sicherer als Albanien eingestuft wurden, insbesondere nach Italien«, fasst der von der franzoesischen Nicht-Regierungs-Organisation »Observatoire Geopolitique des Drogues« herausgegebene Jahresbericht »The World Geopolitics of Drugs 1995/1996« zusammen, auf den sich auch die folgenden Angaben stuetzen.

Dubiose Anlagefonds gibt es in vielen Laendern mit wenig entwickelter Bankenaufsicht - in der Regel fliegt der Betrug aber schnell auf, die Betrueger werden verhaftet oder setzen sich mit den Einlagen der Betrogenen ins Ausland ab. In Albanien konnten sich diese Fonds jedoch ueber ein halbes Jahrzehnt halten, weil ihre Kapitaldecke nicht nur mit den Kleckerbetraegen naiver Kleinanleger gestreckt, sondern zusaetzlich mit dem Schwarzgeld der Mafia unterfuettert wurde. Insbesondere ging es dabei um die hohen Ertraege aus dem Schmuggel (vor allem von Oel) nordalbanischer Clans in das von der internationalen Blockade abgeschnuerte Jugoslawien. Die nordalbanischen Clans waren lange unantastbar, weil sie auch die Demokratische Partei beherrschten. (Dies wurde nach dem Regierungswechsel 1997 sogar gerichtsnotorisch: Auf Druck der USA wurde zum Beispiel Berishas Innenminister Agon Musaraj angeklagt, das Jugoslawien-Embargo systematisch gebrochen und einen Drogenring geführt zu haben.) Die Kapitalbasis der Gesellschaften und ihre Protektion durch die damalige Regierung schien jedenfalls so solide, dass auch die italienische Mafia, vor allem die Sacra Corona Unita aus Apulien und die neapolitanische Camorra, sie benutzten, um schmutziges Geld zu waschen. Doch das finanzielle Fundament der Pyramiden blieb der Schmuggel nach Jugoslawien - und der wurde ueberfluessig, als nach der Auflhebung des UN-Embargos im Zuge des Dayton-Abkommens legale Im- und Exporte wieder moeglich wurden. Das Ende des Schwarzmarktes in Montenegro brachte die Pyramiden zum Einsturz - zum Schaden der kleinen Anleger, waehrend die Berisha-Clans  und die Camorra immerhin noch zwischen 500 und 800 Millionen Dollar beiseite schaffen konnten.

Der Crash loeste im Fruehjahr 1997 buergerkriegsaehnliche Unruhen aus und kostete die Demokratische Partei und die sie tragenden Mafiagruppen die Staatsmacht - die Regierung wurde von den Sozialisten uebernommen. Hinter diesen standen vor allem suedalbanische Gangstersyndikate, die in puncto Kriminalitaet den Berisha-Gangs nicht nachstehen, aber wenigstens nicht deren grossalbanischen Zielsetzungen anhaengen (unter anderem deswegen nicht, weil in Suedalbanien im Unterschied zum Norden vor allem Christen leben - mit den Moslems im Kosovo verbindet sie nur wenig). Andererseits konnte die Demokratische Partei ihre Hochburgen in den Grenzgebieten zu Jugoslawien verteidigen und diese dann der UCK zur Verfuegung zu stellen. Die wurde in der Folge vor allem mit den Waffen aufgeruestet, die waehrend der Aufstaende aus den Kasernen der albanischen Armee gestohlen worden waren. (Nach einer Schaetzung der UN-Fact-Finding-Mission vom Juni 1998 handelte es sich um 650.000 Schusswaffen, 20.000 Tonnen Sprengstoff und 1,5 Milliarden Patronen und Granaten, wovon etwa ein Viertel »von Einzelpersonen oder Schmugglern ausser Landes gebracht« wurden.) »Nach Auskuenften auslaendischer Diplomaten ist der Beschluss von Berisha, seinen Geburtsort den Rebellen zur Verfuegung zu stellen, Teil seines Versuches, die Krise fuer sein Comeback zu nutzen«, berichtet »New York Times«-Reporter Chris Hedges.
 
Deutsche Hilfe

Berisha wurde bis zu seinem Sturz 1997 massiv aus Deutschland unterstuetzt. In Tirana hatten sowohl die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung wie die Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU ihren Sitz, letztere war »bei der Formulierung eines auf Berisha zugeschnittenen Wahlrechts behilflich«, wie das Fernsehmagazin »Monitor« im Maerz 1993 berichtete. Ungewoehnlich war auch das Angebot des Verteidigungsministeriums, eine gemeinsame deutsch-albanische Truppeneinheit zu bilden - sie wurde Ende 1996 als Teil des deutschen Ifor-Kontingents im kroatischen Zadar stationiert. Insgesamt wurden 1995 vierzehn gemeinsame Militaerkooperationen durchgehuehrt, 1996 mehr als zwanzig.

Die deutsche Militaerpraesenz vor Ort koennte auch der UCK zugute gekommen sein. »How Germany backed KLA« - KLA (Kosovo Liberation Army) wird in den englischsprachigen Medien synonym fuer UCK verwendet - ueberschrieb das englische Wochenblatt »The European« Ende September 1997 eine Recherche. Dort wurde behauptet, dass »der deutsche zivile und militaerische Geheimdienst in die Ausbildung und Bewaffnung der Rebellen verwickelt ist um den deutschen Einfluss auf dem Balkan zu zementieren und das Fluechtlingsproblem anzupacken«. Deswegen sei es zu »einem ernsthaften Bruch zwischen dem BND und der CIA gekommen«, hiess es mit Bezug auf franzoesische Diplomaten. Weiter schrieb die Zeitung: »Die Entstehung der UCK im Jahr 1996 fiel mit der Ernennung von Hansjoerg Geiger zum neuen BND-Chef zusammen. Einer seiner ersten operativen Beschluesse war die Einrichtung einer der groessten Regionalvertretungen des BND in Tirana ... BND-Agenten arbeiten eng mit den Fuehrern des Shik, des albanischen Geheimdienstes, zusammen ... Die BND-Maenner hatten die Aufgabe, Rekruten fuer die UCK-Kommandostruktur herauszusuchen.«

Aehnliches berichtete die ARD-Sendung »Monitor«: »Seit 1990 pflegt die Bundesregierung gute Beziehungen zu den albanischen Geheimdiensten. Militaerische Ausruestung im Wert von zwei Millionen Mark wurde ins albanische Krisengebiet entsandt. Die Militaergueter seien zum Teil an die Rebellenarmee UCK gelangt.« Ein beteiligter MAD-Mitarbeiter sagte gegenueber »Monitor«, die Aktion sei »von ganz oben« erwuenscht gewesen. Von Bill Foxton, dem Leiter des OSZE-Beobachterbueros an der Grenze zwischen Albanien und Kosovo, wurde Ende Juni 1998 »erstmals entdeckt, dass die UCK ploetzlich uniformiert ist. Und zwar mit deutschen Feldanzuegen.« Wesentlich weitergehende Anschuldigungen von serbischer Seite, wonach die Guerillaausbildung auch in Deutschland selbst stattfinden soll - genannt werden u. a. geraeumte Nato-Kasernen in Hechingen bei Tuebingen, in der Naehe von Nuernberg und Bonn sowie ein Asylbewerberheim in Singen - sind nicht belegt. Ein - nach eigenen Angaben - »fuehrender UCK-Repraesentant« hat gegenueber einem »Jungle World«-Reporter ebenfalls von Ausbildungslagern in Deutschland gesprochen und ausserdem behauptet, »dass UCK-Leute sich im Verteidigungsministerium auf der Bonner Hardthoehe die Klinke in die Hand geben« - da »Herr I.« inkognito auftrat, werden sich allerdings weder sein Rang noch diese Informationen verifizieren lassen.

Doch auch ohnedies ist die Verantwortung der Bundesrepublik fuer den Aufbau der UCK gross. US-Unterhaendler Richard Holbrooke hat im Juli letzten Jahres auf einer Kosovo-Rundreise in Erfahrung gebracht, »wie wichtig Gelder aus Deutschland, Daenemark und der Schweiz fuer die UCK« seien. Anstatt das Problem diplomatisch zu verhandeln, griff Holbrooke zu einem ungewoehnlichen Schritt: Er kritisierte das Laisser-faire der Bundesregierung oeffentlich in einem Zeitungsinterview. Tatsaechlich hatte Bonn das Fund-Raising fur den Kosovo-Untergrund in den vergangenen Jahren zumindest toleriert: Fuer den vom selbsternannten Ministerpraesidenten Rugova und seinem Praesidenten-Kollegen Bukoshi verwalteten »Fonds der Republik Kosovo« waren seit 1992 jaehrlich mehr als zehn Millionen Mark gesammelt worden. Kosovo-Albaner in der Bundesrepublik und anderswo wurden angehalten, drei Prozent ihres Einkommens auf dieses Konto zu spenden. Unter dem Stichwort »Heimat bittet um Hilfe« hat die »Demokratische Vereinigung der Albaner in Deutschland« (DVAD) vor fuenf Jahren eine weitere Bankverbindung eingerichtet, auf die allein im April 1998 sieben Millionen Mark eingegangen sind. DVAD- Chef Kelmendi gibt zu, dass »ein grosser Teil« davon für die UCK bestimmt sei, schliesslich seien deren Waffenkaeufe auch eine Form »humanitaerer Hilfe«. Kelmendi und alle anderen DVAD-Vorstaendler sind gleichzeitig auch Mitglieder der "Volksbewegung fuer das Kosovo"(LPK) - und dieser wurden im Verfassungsschutzbericht1997 »sicherheitsgefaehrdende Bestrebungen« zur Last gelegt. Vor diesem Hintergrund ist es pikant, dass Kelmendi der Bundesregierung noch im letzten Jahr ausdruecklich dafuer gedankt hat, »dass sie seine Arbeit bisher nicht behindert habe«.

Im Juli 1998 hat die Balkan-Kontaktgruppe auf Holbrookes Draengen ihre Mitgliedstaaten aufgefordert, diese Form von Terror-Finanzierung zu unterbinden. Kurz darauf verkuendete der damalige Aussenminister Kinkel bereits weniger anruechige Formen der Unterstuetzung: Er sicherte Albanien 1,2 Millionen Mark »fuer die Unterbringung von Fluechtlingen« zu - was, so will es schon die Geographie, nur im Grenzgebiet zum Kosovo sinnvoll ist, also im Homeland von Berisha. Der Kampf konnte weitergehen.

Juergen Elsaesser in: KONKRET 3/99
http://www.cityinfonetz.de/homepages/hammerschmitt/low_kosovo.html#Elsaesser

Operation Menschenrechte

Der türkische Staat finanziert den Krieg durch Drogenhandel 
http://www.comlink.apc.org/nev/emek/090697/drogen.htm

Drogen, Kontraguerilla und Nazis - Gladio wütet weiter in der Türkei
http://www.hanfnet.org/gegen-informations-buero/texte/drogen-kontraguerilla-nazis.html

Gegen-Informations-Büro